Wo Sie es brauchen
Nicht nach Wortarten geordnet, sondern nach dem Moment: was in dieser Situation wirklich gesagt wird, in der Reihenfolge, in der es kommt.
Richtung wie überall hier: zuerst verstehen. Die meisten Sätze hören Sie — die wenigen, die Sie selbst sagen, sind markiert.
Alltag in Zürich
Laden, Tram, Treppenhaus, Telefon, Mittagstisch. Situationen, in denen fast alle jede Woche stehen — und in denen der Raum genau dann ins Hochdeutsche wechselt, wenn er merkt, dass Sie Mühe haben.
Jeder Satz ist maschinell auf Zürcher Formen geprüft: Formen aus anderen Mundarten oder aus Deutschland kommen nicht durch.
Im Laden
Vier Fragen, jedes Mal dieselben, an der Kasse mit einer Schlange dahinter — also genau dort, wo Nachfragen am meisten kostet.
20 Sätze14 zum Verstehen
Im Tram
Durchsagen und Fremde, beide schnell. Die eine Situation, in der Nichtverstehen nicht den Satz kostet, sondern den Nachmittag.
20 Sätze14 zum Verstehen
Im Treppenhaus
Waschküche, Velo im Gang, Abfuhr. Ein Zettel an der Tür ist hier keine Bitte — wer ihn als eine liest, wird zur schwierigen Nachbarin, ohne dass es ihr je jemand sagt.
20 Sätze15 zum Verstehen
Am Telefon
Der schwierigste Kanal in jeder Fremdsprache und der, den niemand übt: kein Gesicht, kein Kontext, und jemand, der eine Liste abarbeitet.
20 Sätze14 zum Verstehen
Im Restaurant
Vier feste Fragen und eine, die über die Rechnung entscheidet. «Zäme oder separat» wird einmal gefragt, schnell, und wer es falsch versteht, merkt es am ganzen Tisch.
20 Sätze13 zum Verstehen
Bei der Arbeit
Die Sitzung läuft auf Hochdeutsch oder Englisch. Der Gang, die Kaffeemaschine und der Moment, in dem wirklich etwas entschieden wird, tun das nicht.
20 Sätze15 zum Verstehen
Im Kindsgi
Im Kanton Zürich ist der Kindergarten auf Mundart — das hat die Stimmbevölkerung 2011 so entschieden. Wer Hochdeutsch gelernt hat, merkt das am Elternabend, vor allen anderen.
20 Sätze15 zum Verstehen
Am Mittagstisch
Die Szene, wegen der es Heidi gibt. Der Tisch wechselt ins Hochdeutsche, sobald er merkt, dass Sie kämpfen — und nimmt Ihnen damit genau das weg, was helfen würde.
20 Sätze16 zum Verstehen
In der Arztpraxis
Das Telefon hat Ihnen einen Termin verschafft; jetzt kommen Empfang, Wartezimmer und Sprechzimmer. Am Empfang wird schnell gefragt, im Sprechzimmer genau — und bei beidem zählt, dass Sie die Frage verstanden haben, bevor Sie antworten.
22 Sätze17 zum Verstehen
Auf der Gemeinde
Wer nach Zürich zieht, meldet sich an — meist in den ersten Wochen und meist, bevor er einem Satz folgen kann. Die Fragen sind jedes Mal dieselben, und die Person hinter dem Glas stellt sie hundertmal am Tag, entsprechend schnell.
22 Sätze17 zum Verstehen
In der Waschküche
Der Plan an der Wand ist ein Gesetz, das niemand erklärt. Wer das Sieb nicht putzt oder am falschen Tag wäscht, hört davon — selten direkt, meistens auf einem Zettel.
22 Sätze17 zum Verstehen
Am Apéro
Ein Glas in der Hand, niemand muss bleiben, alle reden Mundart. Hier beginnt eine Zürcher Bekanntschaft — und «Mer sött emal öppis zäme mache» ist herzlich gemeint, aber keine Einladung.
22 Sätze16 zum Verstehen
Wenn Nein nicht Nein heisst
In Zürich wird selten direkt abgelehnt. «Das isch ächli schwierig» oder «Mer chönnt sich das überlegge» ist oft schon die Antwort, höflich verpackt — wer es wörtlich nimmt, wartet auf etwas, das längst gesagt wurde.
22 Sätze17 zum Verstehen
Mit einem Bünzli
«Bünzli» ist das Zürcher Wort für den Nachbarn, der die Hausordnung kennt und sie durchsetzt — Waschtag, Nachtruhe, Karton. Er meint es selten böse. Wer sich rechtfertigt, verliert; wer sich bedankt und fragt, wo es steht, hat Ruhe.
22 Sätze15 zum Verstehen
Alters- und Pflegeheime
Eine Bewohnerin mit Demenz verliert ihre Zweitsprachen zuerst. Was bleibt, ist das Züridütsch ihrer Kindheit — und das ist die Sprache, in der die Schicht läuft.
Jeder Satz ist maschinell auf Zürcher Formen geprüft: Formen aus anderen Mundarten oder aus Deutschland kommen nicht durch.
Die Übergabe
Kollegin zu Kollegin, nichts wird verlangsamt, niemand wechselt Ihretwegen ins Hochdeutsche. Der schnellste Moment des Tages — und der, der über die ganze Schicht entscheidet.
20 Sätze17 zum Verstehen
Am Morgen
Kurze Sätze, während beide Hände beschäftigt sind. Hier ist Hochdeutsch nicht die neutrale Variante: Wer mitten in der Pflege die Sprache wechselt, wirkt wie eine andere Person.
20 Sätze8 zum Verstehen
Wenn etwas weh tut
Schmerz spricht keine Zweitsprache. Wer ihn meldet, formuliert nicht — und wer ihn falsch versteht, hält Schmerz für Unruhe.
20 Sätze11 zum Verstehen
Essen und Trinken
Die Situation, die am häufigsten vorkommt und auf die sich niemand vorbereitet, weil sie einfach klingt.
20 Sätze9 zum Verstehen
Unruhe am Abend
Jemand will nach Hause, in ein Zuhause, das es seit vierzig Jahren nicht mehr gibt. Was hier hilft, ist kurz, im Präsens und in der Sprache, in der die Person denkt.
20 Sätze9 zum Verstehen
Besuch
Plötzlich sind Sie das Haus. Die Tochter am Sonntagnachmittag beurteilt den Betrieb danach, ob die Person an der Tür ihr folgen konnte.
20 Sätze9 zum Verstehen